10 Dinge, die ich an dir mag/Mein Pferd rockt

Seelenpferd: So brav und gutaussehend.
Aufmerksam, interessiert und immer im Dialog: Auch das ist die PN. Knotenhalfter* und Rope* gibt’s im Shop der Pferdeflüsterei. Foto: Isabel Tomczyk Photography

Kennst du das: Du kommst ohne besondere Erwartung in den Stall und dein Pferd flasht dich?

Nachdem es in diesem Beitrag eher um die nervigen Verhaltensweisen und Charakterzüge der PN ging, dreht sich heute alles darum, warum er ein krasser Typ ist.

1. Menschenbezogenheit. Für die PN ist Kontakt mit dem Menschen wichtig. Er mag Menschen und hat Interesse an einer Verbindung, einer Beziehung und Kommunikation. Im Alltag habe ich deswegen meist ein Pferd, das sofort zu mir kommt oder bereits am Tor wartet, wenn er mich kommen hört.

2. Bespaßungswilligkeit und Motivation. Die PN ist unternehmungslustig. Ich brauche nicht Motivation für zwei – mich und das Pferd – mitbringen und auch keine Überzeugungsarbeit leisten. Die PN braucht ihre Bespaßung und erwartet die auch. Ist er der Meinung, dass der Umfang noch nicht erreicht ist, trödelt er und verzögert die Rückkehr zu den anderen. Damit vergrößere ich als Mensch aktiv seine Lebensqualität, und das ist ein ziemlich gutes Gefühl.

3. Neugierde und Gespräche. Die PN ist ein neugieriges Tier, stellt immer Fragen und wartet auf Antworten. Mit ihm führt man eine permanente Kommunikation, was ihn meistens leicht lesbar macht. Er sagt, was er denkt und fühlt und das macht das Zusammensein angenehm und klar.


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Seelenpferd: Zubehör für die Bodenarbeit.

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4. Aufmerksamkeit und Wellness. Der Herr hat einen starke Präferenz für Wellness und die reicht in seiner Wahrnehmung vom simplen Putzen bis hin zur Versorgung von Wunden oder dem Verlesen des Schweifs. Das führt im Extrem dazu, dass sogar das Anlegen eines Hufverbands am Hinterhuf als (Beziehungs)Pflegemaßnahme wahrgenommen wird. Ein Traum für mich, weil es den Umgang so wahnsinnig erleichtert, wenn das Pferd auch bei der Versorgung von Verletzungen entspannt ist und man ihm das nicht erst erklären muss.

Familienintern machen wir Witze, dass wir die PN eigentlich am Haus halten sollten – dann könnte er mit am Tisch frühstücken und abends auf dem Sofa mit uns Netflix schauen. Ich hätte gerne einen Wintergarten mit Zugang zum Garten, dann könnte die PN direkt reinmaschieren. Und er würde das knallhart durchziehen. Denn der Herr ist gerne dabei. Wo Menschen sind, ist es erstmal spannend und interessant und erst danach vielleicht gruselig.

5. Witzige Ideen/Kindskopf. Die PN hat viele Ideen, manche davon unbrauchbar, andere hochgradig lustig. Im Prä-Corona-Winter quatschte ich mit einer Miteinstellerin vor der Futterkammer. Dort ist eine kleine Empore mit niedriger Decke (= angehobener Pferdekopf geht nicht) seitlich begrenzt von einer Wand und einem Holzbalkenkreuz. Der PN war fad, also kletterte er um die Kurve auf die Empore in den Engpass und stellte sich dazu. Er muss auch immer checken, was Menschen in der Hand haben – beim Physiotherapeuten waren das dann Akupunkturnadeln. So gibt’s eigentlich immer was zu lachen.

6. Verständigkeit/Lerntempo. Auch wenn ich gerne Witze über fehlende Hirnzellen mache, weil er wegen einer niesenden Ziege zwei Meter aus dem Stand in die Luft hüpft: Die PN kann lesen und schreiben. Ich habe bis heute das eine oder andere Pferd trainiert und das gekauft, das so schnell lernt wie kein anderes (ich wusste, dass er schnell nach Lösungen sucht, aber so schnell?). Bei gutem Timing reicht der PN eine, ich wiederhole, eine Wiederholung, um zu verstehen, was ich will. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn er Probleme hat, etwas zu verstehen oder umzusetzen, zwickt es entweder körperlich oder meine Erklärversuche waren nicht gerade brilliant.


7. Sensibilität und Beherrschung. Man bewegt sich auf Körperspannung, Fingerzeig oder auf wenige Gramm hin am Seil. Eine Geste ist meistens das Maximum an Hilfe, das ich anwende – und wehe dem, sie kommt zu schnell oder mit zu viel Nachdruck. Die PN ist wahnsinnig fein, schon von Natur aus. Das macht ihn im Handling angenehm und im Training schnelle Fortschritte möglich. Andererseits ist es ganz erstaunlich, wie gut er sich im Griff hat, obwohl er so schnell in Sorge gerät.

Jüngst an einem der ersten richtig kalten Tage ritt ich mit Pad und einem weichen, selbst gemachten Bosal – flott vorwärts im Trab am langen Zügel und in seinem Rücken bockt seine Pferdefreundin an der Longe quietschend los. Ich hätte vollstes Verständnis gehabt, wenn ihn das angesteckt hätte. Stattdessen hat er mit dem Kopf geschlagen und ist stehengeblieben.

8. Try und Vertrauen. Die PN versucht und probiert, wenn ich ihn darum bitte. Er gibt, was er kann und er folgt mir, auch wenn er der Meinung ist, dass das nicht die beste Idee ist. Das kann ich gar nicht hoch genug bewerten, da er per se ein Pferd mit hohem Selbsterhaltungstrieb ist, das schnell skeptisch wird. Der starke Try, den er hat, macht die PN am Ende zu einem sehr mutigen Pferd. Denn er gibt Dingen eine Chance, auch wenn er Angst hat und überwindet seine Angst.

Hier ist für uns übrigens ein Satz aus dem Horsemanship zentral:

„Don’t ask a trying horse to try“.

Pat Parelli

Die PN gibt sich Mühe und als Mensch weiß ich das besser zu würdigen. Wenn ich das nicht wahrnehme, kann Vertrauen hier sehr, sehr schnell zu Bruch gehen. Die PN setzt auf meine Wahrnehmung und will sich darauf verlassen können, dass ich weiß, wie es ihm geht und Situationen richtig einschätze. Das gilt auch für Verletzungen oder körperliche Wehwehchen. Ich habe mittlerweile fast einen sechsten Sinn entwickelt, wenn es ihm irgendwo zwickt – und das wird von seiner Seite sehr geschätzt.


9. Die Optik: Schräge Blesse, schicker Hals, wechselnde Fellfarbe, leicht auf den Füßen – wenn nichts mehr hilft und er mir mit seinen eher nicht so positiven Eigenschaften auf den Sender geht, denke ich mir: hey, immerhin sieht er echt gut aus.

10. Die Bewegung. Die PN läuft immer schöner und findet zu gesünderen Bewegungsabläufen. Seit ein paar Woche sehe ich, wie er außerdem Kraft bekommt und aufmuskelt. Und: Er hat wahnsinnig sitzbequeme Gänge, flach, aber mit genügend Untertritt. Vom Reitkomfort wusste ich nichts, als ich ihn gekauft habe – hab’s mir aber gedacht. Insgesamt ist die PN ein athletisches und talentiertes Pferd, was mich als Reiter in manchen Manövern ohne viel Zutun wirklich gut aussehen lässt.

Seelenpferd: Schöner Galopp an der Longe.
Es hat eine Weile gedauert, diese Form im Galopp zu finden. Stick und Schlag* gibt’s bei der Pferdeflüsterei. Foto: Isabel Tomczyk Photography

Man muss es ganz klar benennen: Viele diese Verhaltensweisen schmeicheln meinem Ego.

Von daher: Die PN ist schön, schlau und meistens brav!

Welche Eigenschaften findest du an deinem Pferd so richtig nice? Lass mir gerne einen Kommentar da!

Seelenpferd: Zum Weiterlesen

Mein Pferd nervt: Hier ein Beitrag zu den eher anstrengenden Seiten der PN.

Natural Horsemanship: Aus Fairness zum Pferd*
Mein Buch. Wie im Blog auch schreibe ich über Beobachtungen im Zusammensein mit Pferden, die auch für dich hilfreich sein können.

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