Gespräche über Stangen – oder warum Bodenarbeit kein Selbstzweck ist

Ich muss zugeben, dass ich nicht immer einen Plan habe, wenn ich mit dem Pferd in die Halle komme. Es steht sogar nicht immer fest, ob ich Bodenarbeit mache oder mich draufsetze: Ich bereite das Reiten in den allermeisten Fällen mit ein paar Übungen von unten vor – und wenn‘s da hakt oder ich das Gefühl habe, dass gerade der ideale Moment gekommen ist, um etwas Neues hinzuzufügen oder etwas Altes zu verbessern, dann mache ich das und vergesse das Reiten. Der Plan entwickelt sich also im Zusammensein mit dem Pferd. Ähnlich ergeht es mir oft mit der Kommunikation.

Vor ein paar Wochen hatte ich mich im Vorfeld schon für Bodenarbeit mit dem Projektpferd entschieden, da von meinen Stunden zuvor noch ein Stangen-L lag und ich das nutzen wollte.

Bodenarbeit Stange

Der Wallach kennt diverse Bodenarbeitsszenarien und -hindernisse, und entsprechend ist es eine Herausforderung ihn nicht mit den gleichen Aufgaben zu langweilen, sondern die Anforderungen am Objekt zu variieren.
Was wir aus dem Stangen-L gemacht haben:
– Ich habe aus einigen Metern Abstand seine Vorhand jeweils um einen Viertelkreis verschoben, und ihn dann aus der neuen Position gerade vorwärts oder rückwärts laufen zu lassen.
– Ich habe ihn vorwärts durch das L geschickt und dabei das Tempo variiert: Also im L Schritt, im Kreisbogen außerhalb Trab. Oder im L Trab und im Kreisbogen Galopp. Oder außen Trab und beim Reinlaufen ins L Durchparieren zum Stand.

Ich fand die Einheit insgesamt große Klasse, weil das Pferd vom Kopf voll dabei war. Er hat die unterschiedlichen Tempi sofort mit dem L in Verbindung gebracht, und seine Reaktion wurde immer zackiger. Ihr wisst wahrscheinlich, dass ich manchmal etwas fanatisch bin, wenn es darum geht, nicht nur den Körper des Pferdes zu gymnastizieren, sondern auch das Hirn zu aktivieren. Die Konversation um das Stangen-L hat letzteres erreicht: Der Wallach hat auf den Punkt reagiert, und ich konnte meine Signale immer mehr herunterfahren. Von wegen faules Pferd braucht eine Peitsche, damit es vorwärts geht.


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Bodenarbeit Stange *

Bodenarbeit mit Stange

Eine ähnliche Erfahrung habe ich jüngst mit dem Friesen gemacht: Bodenarbeit ist kein Selbstzweck. Sondern ein Test, wie genau Botschaften beim Pferd ankommen. Kannst du seine Füße zentimetergenau steuern, obwohl du am Seil in fünf Metern Entfernung stehst? Kannst du mit deinem Körper und dem Seil ein Gefühl für eine Richtung vermitteln, ein Gefühl für (die Art der) Bewegung und für (den Zeitpunkt zum) Anhalten?
Der Friese beispielsweise bezweifelte, dass er mit eine Stange unterm Bauch beim Seitwärts kleine Schritte machen kann. Außerdem war er der Meinung, die Anforderung nur schaffen zu können, wenn er Vorhand und Hinterhand zusammen bewegte statt einzeln. Also habe ich das Seil verkürzt, um die Schwierigkeit zu verkleinern und ihn Schritt für Schritt – und zwar wörtlich – vermittelt, dass er seine Füße auch mit Stange sortieren kann und nicht hibbeln muss. Spätestens bei der Arbeit am Detail, wenn es auf Präzision ankommt, offenbaren sich die kleinen Fehler an der Basis. In unserem Fall vor allem die Trennung von Vor- und Hinterhand.

Bodenarbeit Stange
Pferd folgt dem Gefühl. Grafik: Nadja

Die Anordnung der Stangen war übrigens denkbar simpel: Zwei Stück, parallel gelegt, die eine Gasse bilden. Ich stehe am 4-Meter Seil ein paar Meter entfernt und versuche, am Platz  zu bleiben.

Außer den Seitengängen (außen an der hinteren Stange vorbei und dann mit Einfädeln über die äußere Stange) haben wir noch folgende Dinge ausprobiert:
– Ich schicke den Friesen außen an den Stangen vorbei, durch die Stangen oder zwischen mich und die inneren Stange – nur mit Seil und Energie, ohne Peitsche. So folgt er dem Gefühl, das ich vorgebe.
– Außerdem: Anhalten hinter, zwischen oder vor der inneren Stange aus allen Gangarten. Anhalten zwischen den Stangen, dann rückwärts.

Ihr seht, dass man auch mit simplen Anordnungen ziemlich komplexe Konversationen führen kann.
Macht ihr gern Bodenarbeit? Und wenn ja, was sind eure Lieblingsübungen?

Bodenarbeit

 

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Ein Kommentar

  1. Hey
    Ein klasse Text, den Du da geschrieben hast!
    Ja, ich mache viel und gern Bodenarbeit. Horsemanship, nach Art von Pat Parelli. Auch viel Freiarbeit.
    Puuuhhh – Lieblingsübung ist schwer zu sagen 😀
    Gern mag ich das ,, Circle-game“ frei. Rückwärts ist eher nicht so unsere Übung, das müssen wir noch seeehr viel üben. Vor allem GERADE Rückwärts richten – sehr schwer.
    Ich finde es interessant, wie viel man mit Vor-und Hintrrhandverschieben variieren kann.
    Danke, dass du das geschrieben hast!
    Ganz liebe Grüße,
    Elina

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