Ein Nachruf

Bei uns im Stall sind wir seit letzter Woche einer weniger. Genauer gesagt eine weniger.
Manche werden es wahrscheinlich gar nicht bemerkt haben, da die Dame sich nur in von ihr erwählten Kreisen bewegte und ihr Personal einem sorgsamen Auswahlverfahren unterzog.
Die Rede ist von unserer Stallkatze. Petra oder „böööse Katz“ genannt (Petra deshalb, weil sie zunächst für einen Kater gehalten wurde und den Namen Peter verpasst bekam. Als ihr Geschlecht dann klar war, wurde der Name kurzerhand angepasst. „Bööööse Katz“ aus Prinzip).

Angesichts der hohen Mäusedichte hätte der Stall einen idealen Jagdgrund für die rot-weiße Dame auf vier Pfoten abgeben können. Das Problem: Reiter sind ein Hundevolk. Wo Pferde, da Reiter, da unproportional viele Hunde. Mit einem oder zweien hätte sie es dank natürlicher Katzen-Autorität (und haushoch überlegener Intelligenz) sicher aufnehmen können. Aber die Hundeüberzahl ist einfach zu überwältigend, als dass eine einzelne Katze dagegen hätte ausrichten können.

 

Stallkatze, Nachruf
Suchbild. Foto: Nadja

Und so bezog sie abseits vom Stall das Lager der Heu- und Strohballen und ließ sich ihr Futter frei Haus liefern (vom oben erwähnten selektierten Personal). Ihr Personal hatte sie dabei so gut ausgebildet, dass es ihr den Futterteller bei Bedarf hinterhertrug – je nachdem wo Madame gerne speisen wollte (böse Zungen behaupten ja, sie zog jene Orte mit Ausblick auf die Hunde vor, um dann vor den Augen der hechelnden Vierbeiner den Teller langsam leer zu lecken – im Wissen, dass ihr Personal eventuelle Übergriffe des Feindes schnell unterbinden und ahnden würde).

Großzügig wie sie war, zeigte sie sich für den Futterservice erkenntlich und spendierte ihrem Personal ab und an eine Maus – mit Vorliebe dann, wenn die Menschen gerade mit Pferd in der kleinen Halle zu Gange waren. Wobei die Zweibeiner sich meistens zu doof anstellten, die Maus entkommen ließen und auch noch dachten, sie würde das nicht mitbekommen. Menschen und ihre eingeschränkte Wahrnehmung eben. Aber Katzen sind ja bekanntlich tolerant, nachsichtig und generös.

Und so stellte sie sich gern zum Streicheln lassen zur Verfügung (natürlich nur einigen Auserwählten und solchen, die das Glück hatten zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein). Wobei sie zu große Zaghaftigkeit oder die falsche Technik mit Krallen bewehrten Pfotenhieben und Bissen abstrafte. Schließlich muss so ein Dienstleister erst mal nach den eigenen Wünschen geformt werden (böse Zungen behaupten, sie wollte gern etwas härter angefasst werden).

Liebe „böööse Katz“, ich wünsche dir einen Katzenhimmel voller Gleichgesinnter und mit zahlenmäßig überlegener Katzenmehrheit (geistig überlegen seid ihr den Schwanzwedlern ja sowieso), voller Mäuse, gut ausgebildeten Dosenöffnern und gelegentlich ein paar Hunden, die ihr dann sanktionieren und unterdrücken könnt.

Wenn wir in der kleinen Halle wieder die Peitschen schwingen und keine Katze mehr den Schlag verfolgt, wenn wir wieder Plastikplanen für die Pferde auslegen und keine Katze sich drunter versteckt – dann denken wir an dich!

5 Kommentare

  1. Hallo Nadja, Du schreibst wirklich so entzückend…. ach übrigens, ne Katze wie Du sie beschreibst hab ich auch daheim…. bis bald LG Marlies

  2. Liebe Nadja,

    das tut mir sehr leid. Auch wenn es "nur" die Stallkatze war, merkt man, dass Du sie gern hattest. Ich hoffe Deine Wünsche für sie gehen in Erfüllung. Ein tröstliches Miau auch von meinen beiden Chefs.

    Liebe Grüße,
    Sophie

    • Vielen Dank auch an die Chefs – wobei ich nicht die die Hauptkatzenfrau am Stall bin, sprich diejenige, die sich am meisten gekümmert hat. Freu mich natürlich trotzdem über die große Resonanz auf den Nachruf 🙂

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