Longieren: Körpersprache und Hilfen

Longieren: Körpersprache, Hilfen

Freilauf im Roundpen lief bis vor etwa drei Wochen nicht rund. Jetzt beginnt der Herr zu verstehen, wie er sich besser und balancierter bewegen kann. Foto: Marko

Was muss ich bei der Arbeit am Seil auf dem Zirkel beachten, damit ich meinem Pferd das Verständnis erleichtern kann und wir harmonische Runden drehen statt schiefer Eier? Heute geht es um Hilfen und Körpersprache beim Longieren.

Bevor du startest, solltest du schauen, ob du die Voraussetzungen für gelingendes Longieren schon hast. Sie findest du hier, im ersten Teil dieser Mini-Serie zum Thema „Gutes Bewegen“.

Wichtig für dich zu wissen: Mir geht es in diesem Beitrag um eine klare Kommunikation der Basics, ich nenne es „Longieren Horsemanship Style“ oder  die Arbeit am Seil auf dem Kreisbogen. Das getunte Longieren mit Stellung und Biegung geht anders an die Sache heran und auch die Hilfen unterscheiden sich. Lese- und Videotipps dazu findest du am Ende des Beitrags. Das Longieren nach FN-Art (mit Ausbindern und Peitsche) lehne ich ab – deswegen findet es hier nicht statt.

Körpersprache und Hilfen fürs Longieren

Mit guten Hilfen können wir nicht nur jede Menge Missverständnisse vermeiden, die die Form des Zirkels und die Haltung unsres Pferdes beeinflussen. Wir werden in unserer Kommunikation für das Pferd auch deutlich klarer.

  1. Wir drehen uns mit, während das Pferd um uns herumläuft und haben im Körper dabei eine Vorwärtstendenz. Sprich, beim Mitlaufen kreuzen unsere Beine vorn und nicht hinten. Läuft das Pferd rechte Hand, kreuzt mein linkes Bein vor dem rechten, wenn ich mitgehe. Auf diese Weise trennen wir unser Vorwärts ganz klar vom Rückwärts.
  2. Unsere Fußspitzen zeigen in der Regel in Richtung der Rippen beziehungsweise der Gurtlage. Zeichen sie in Richtung Hals oder vors Pferd, können sie das Pferd blockieren. Zeigen sie auf die Hinterhand oder hinter den Schweif, können sie eine antreibende Wirkung haben oder das Pferd veranlassen, den Hintern heraus zu schwingen (im Fall der Fotos zeigen meine Füße nicht Richtung Rippen – weil ich viel mitgelaufen bin und auch nicht drauf geachtet habe… da gibt’s noch Verbesserungspotenzial).
  3. Die Peitsche oder der Stick bleibt auf dem Boden aufgestellt, wenn wir sie nicht benötigen. Selbst eine nur leicht angehobene Peitsche kann auf ein sensibles Pferd eine treibende Wirkung haben – sowohl vorwärts als auch seitwärts. Warum wir ein Dauertreiben nicht wollen, habe ich hier schon einmal geschrieben.
  4. Schultern hängen lassen und Schultern aufrichten, einatmen, Bauch anspannen oder locker vor sich hin pendeln: unsere Körpersprache beeinflusst die des Pferdes ganz gewaltig. Gerade die Ausrichtung unserer Hüfte und Schultern kann das Pferd blockieren oder antreiben. Hier sollten wir eine neutrale oder maximal leicht treibende/ unterstützende Position in Relation zum Pferdekörper finden (siehe Abbildung).
    Longieren: Körpersprache, Hilfen

    In Abb 1. blockiert der Longeur das Pferd mit der Ausrichtung seiner Körperachse. Er macht dem Pferd die Tür zu, wenn es sich weiter auf dem Zirkel vorwärts bewegt. In Abb 2. ist die Körperachse dagegen fast parallel zu der des Pferdes, mit einer leichten Tendenz, die linke Seite Richtung Pferdehintern zu nehmen und die rechte Seite etwas zurück. So geht die Tür fürs Pferd auf. Grafik: Nadja

     

  5. Positive Gedanken und Lob. Ich war kürzlich auf einem Kurs habe von dort eine zentrale Anregung mitgenommen. Loben geht natürlich über Stimme oder über Pause. Das kann eine Schrittpause nach einer Trabphase sein oder direkt das vollständige zu uns Hereinholen in die Mitte. Wir können aber auch subtiler loben, indem wir dem Pferd ein gutes Gefühl schicken. Wir denken nette Gedanken, lächeln und unterstützen es mental auf seinem Weg auf dem Kreisbogen. Wir strahlen Wohlwollen, Freundlichkeit, Entspannung aus – immer dann, wenn das Pferd genau auf dem richtigen Weg ist. Geben wir dem Pferd in der Bewegung dieses gute Gefühl, dann brauchen wir nicht ständige Pausen, um es zu bestätigen.
  6. Nase runter durch gutes Timing. Sam kannte am Anfang auf dem Kreisbogen, egal ob mit oder ohne Seil, nur die Giraffenposition im Trab. Heute findet er immer leichter und beständiger in eine gesündere Haltung und einen besseren Rhythmus. Von sich aus, ohne dass ich einwirken muss. Ich habe ihn immer dann, wenn er die leichteste Tendenz zeigte, den Hals fallen zu lassen, hysterisch verbal gefeiert, durchpariert, rein geholt, gestreichelt (das findet er richtig gut) und dann Gras fressen lassen. Auch wenn Hals und Kopf nur wenige Zentimeter nach unten nickten. Ganz nach dem Motto: „reward the slightest try – belohne den kleinsten Versuch“. Dieses gute Timing in Verbindung mit seiner größeren Entspannung insgesamt und viel Abwechslung (dazu wird es noch einen Extra-Beitrag geben) haben ihm ganz wunderbar in eine bessere Haltung am Seil geholfen.
  7. Richtungswechsel. Für den Richtungswechsel gibt es 2 Varianten. Die erste: Du gehst rückwärts, ziehst das Pferd zu dir, bis es seinen Körper auf dich ausgerichtet hat und schickst es dann aus dieser Position in die neue Richtung (dafür musst du Seil- und Peitschenhand wechseln). Die zweite: Du hälst das Pferd am Hufschlag an und lässt dann seine Vorhand um seine Hinterhand herum gehen. Wie das im Detail funktioniert, erfährst du in diesem Beitrag.
  8. Longieren oder Freilauf. Egal, ob wir unser Pferd am Seil haben oder nicht: unsere Körperposition und unsere Hilfen bleiben die gleichen.
Longieren: Körpersprache, Hilfen

Aktuell experimentieren wir mit verschiedenen Tempi. Hier sind wir zwischen Pleasure Jog (aus der Linie kommt der Herr ja) und etwas fleißigerem Vorwärts unterwegs. Knotenhalfter und Seil aus dem Shop der Pferdeflüsterei*. Da ich hier das kurze Seil drauf habe, muss ich viel mitlaufen. Normalerweise arbeite ich ihn auf dem Zirkel mit dem 7-Meter-Seil. Foto: Marko

Ausrüstung fürs Longieren*

Aktuell arbeite ich fast ausschließlich mit Knotenhalfter*, und 7-Meter-Seil als Longe oder komplett frei im Roundpen. Unterstützend benutze ich einen Stick* mit Schlag oder eine Flagge. Für das spätere Feintuning (also Innenstellung und Biegung) habe ich mir einen Hillbury Kappzaum* und eine Hillbury Longe* aus Seil zugelegt. Ich mag die klassischen Longen nicht, weil sie zu wenig „Feel“ haben und zu labbrig sind.

Wichtig: Kappzaum und vor allem die feine Seillonge solltet ihr wirklich erst dann drauf schnallen, wenn ihr einen zuverlässigen Grundgehorsam habt. Gerade die Seillonge ist kein gutes Tool, um wild gewordene Pferde wieder zu erden: Sie ist dafür zu dünn und zu lang und du musst aufpassen, dass du dich nicht in sie verwickelst oder aus Versehen in eine Schlaufe stellst.

 

 


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Longieren: Körpersprache, Hilfen


 

 

Longieren: Körpersprache, Hilfen

Natural Horsemanship: Aus Fairness zum Pferd*
Mein Buch. Wie im Blog auch schreibe ich über Beobachtungen im Zusammensein mit Pferden, die auch für dich hilfreich sein können.

Longieren allgemein

Christina von Herzenspferd.de gibt hier Tipps

Der Longenkurs von Babette Teschen  unterrichtet die bessere Laufmanier auf dem Kreis.

Noch mehr zum Thema Longieren (ein Interview) gibt’s hier auf der Pferdeflüsterei.

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Geitners Buch. Anleitung für die Equikinetik, die von vielen für den Muskelaufbau empfohlen wird. Mir gebricht es an der Disziplin für die Arbeit nach der Uhr + es stresst mich zu sehr.

Longieren „Horsemanship Style“

Longier-Tipps mit Blindly Follow Horses (Video)

Longieren „Klassisch mit Stellung und Biegung“

Abwärts, Stellung und Biegung im Stand erklärt und dann in der Bewegung in diesem tollen Video.

Mehr zu Stellung und Biegung gibt’s hier bei den Pferdefreunden.

Eine schöne Anleitung für das Erarbeiten von Stellung und Biegung findest du bei Herzenspferd.

 

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