Bekanntschaft (Freundschaft) schließen mit dem Pferd – wie geht das?

Petra von der Pferdeflüsterei hat in diesem Text dazu eingeladen, doch mal zu erzählen, wie wir uns mit Pferden bekannt machen und eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Jeder Texter kann einen weiteren nominieren (aber auch alle anderen können mitschreiben).
Tanja von Tash Horseexperience hat mich aufgefordert mitzumachen – und das tue ich doch gern :).

Bekanntschaft (Freundschaft) schließen mit dem Pferd – wie geht das?

„Give him what he needs and he will give you what you want“
Gebe ihm, was er braucht, und er wird dir geben, was du willst

Ich glaube, das Zitat stammt von Pat Parelli, und es fasst zusammen, was ich für die wichtigste Eigenschaft halte, um eine gute Beziehung mit dem Pferd aufzubauen: Der Perspektivwechsel.
Erst wenn wir unsere Bedürfnisse hintenanstellen und uns überlegen, was das Pferd im Moment mit uns braucht (und damit meine ich viel mehr als Weidegang, Kumpels oder genug zu fressen), kann das Zusammensein gedeihen und etwas Positives hervorbringen.

Freundschaft mit dem Pferd
Hallo sagen und das Pferd nicht einfach überfallen
gehören auch zur Basis einer guten Beziehung.
Hier grüßt Pelù zurück – mein Herzenspferd
von Il Cornacchino. Foto: Marko

Versetzen wir uns nicht in die Lage des Pferdes und fragen wir nicht, wie wir zum Wohlbefinden des Pferdes beitragen können, bleibt unsere Beziehung eine einseitige: Wir Menschen fordern dann und nehmen, und das Pferd darf (muss) geben. Dauerhaft. Eine solche Basis taugt nicht für eine ehrliche Freundschaft – wer will schon mit jemandem zusammen sein, der immer nur sich selbst im Blick hat und nicht nach rechts oder links schaut?

Angewandt in der Praxis sieht das so aus:

Ich gehe nicht nur zum Pferd, wenn ich etwas von ihm will (Reiten, Bodenarbeit, Handarbeit). Ich besuche ihn ab und an auf der Koppel, um Hallo zu sagen. Und ich hole ihn von der Koppel, um ihn zu füttern, zu putzen und stelle ihn dann unverrichteter Dinge (=Arbeit) wieder hoch. Er soll nicht den Eindruck gewinnen, dass ich immer dann aufkreuze, wenn ich ihn mal wieder für meine Zwecke (be)nutzen will.

Ich versuche, die Motivation zu erhalten – in unserem Fall durch häufiges Pausieren. Wenn  er weiß, dass er Pause bekommt, muss er sie nicht selbst einfordern, indem er ausfällt oder seinen Energieeinsatz generell minimiert. Dann strengt er sich an, wenn ich etwas verlange, weil er weiß, dass er danach mit 100-prozentiger Sicherheit ausruhen darf.

Ich versuche, dem Pferd, wenn es Fehler macht, kein schlechtes Gefühl zu vermitteln. Also nicht: „Man, du Depp, hör doch mal genauer hin“ oder „Wie oft muss ich dir noch sagen, was ich mit dem Schenkel will“ oder „Kannst du dich nicht einmal anstrengen“?
Ich bin mir sicher, dass der Wallach sich bemüht herauszufinden, was ich will – und wenn er mal daneben liegt, dann nicht, weil er mich ärgern will, sondern weil meine Informationen nicht präzise genug waren, er es körperlich nicht umsetzen kann oder weil er gerade Energie sparen will.
Statt den Fehler also zu ahnden, die Hilfe zu verstärken oder die Peitsche einzusetzen, bekommt er keine Pause, und ich fordere ihn auf es noch einmal zu versuchen. Mit der Geisteshaltung „Ok, das war nix, aber ich bin sicher, dass du es jetzt besser hinbekommst“ oder „Du kannst dich etwas mehr bemühen, bitte“. Wir Menschen sind auch nicht immer auf der Höhe, geben auch nicht immer 100 Prozent (schon gar nicht, wenn es sich für uns nicht lohnt). Deswegen dürfen wir das auch unseren Pferden zugestehen.

Freundschaft mit dem Pferd*

Mir gelingt es nicht immer, diese Einstellung dauerhaft zu halten. Natürlich werde ich mal sauer und dann ungerecht. Aber ich bemühe mich, dass das weniger wird, und irgendwann gar nicht mehr vorkommt.

Das wären jetzt die wichtigsten Punkte, die mir einfallen. Es gibt natürlich noch etliche mehr – und über die haben meine Bloggerkollegen im Rahmen von Petras Reihe (und darüber hinaus) auch schon ausführlich berichtet.

Wie stellt ihr eine Verbindung zu euren Pferden her? Ich freue mich über Kommentare.

Freundschaft mit dem Pferd
 Dieser Text von Anna Blake hat mich zum Nachdenken darüber gebracht, welches Gefühl wir dem Pferd vermitteln, wenn es gerade nicht rund läuft.
Natural Horsemanship: Aus Fairness zum Pferd*
In meinem Buch schreibe ich über Beobachtungen im Zusammensein mit Pferden, die auch für dich hilfreich sein können.
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11 Kommentare

  1. Liebe Nadja, wie schön, dass Du mitgemacht hast 🙂 Ich kann nur laut "ja" und "Ja" und "JAA" rufen bei Deinem Text. Du hast so Recht. Ich kann heute gar nicht mehr verstehen, dass ich mal auf Pferde zugelaufen bin und ihnen das Halfter über den Kopf gezogen habe, ohne kurz Hallo zu sagen oder die Reaktion des Pferdes abzuwarten. Verrückt! Ganz liebe Grüße und danke dass Du mitgemacht hast, Petra von der Pferdeflüsterei

    • Ich freu mich total, dass wir immer mehr werden. Und danke für die Aktion und einen Kommentar! VG! Nadja

  2. Guten Morgen!

    Hach, wie schön zu lesen, dass es noch andere Menschen gibt, die auch mal "nur so" zu ihrem Pferd gehen. 🙂 Ich möchte auch nicht, dass Wingardio mich nur mit Arbeit in Zusammenhang bringt und tauche immer wieder mal wieder auf der Weide auf, setze mich dazu und gehe dann wieder. Bei mir im Stall werde ich doch teilweise etwas komisch angeschaut, so nach dem Motto "Wie, Du fährst den ganzen langen Weg und machst dann nichts mit Deinem Pferd?" Ich denke mir dann immer, dass ich doch sehr wohl sehr viel mit ihm "mache", mämlich einfach nur Zeit verbringe.

    Liebe Grüße, Saskia von PferdeSpiegel

    • Oh, das kenn ich voll gut. Muss manchmal den Impuls unterdrücken, mich auf der Koppel verstecken zu wollen, wenn ich mal wieder da rumhänge und ein anderer sein Pferd holt. Aber das Konzept des Zeit miteinander verbringens ohne sein Pferd zu "nutzen" ist manchen sehr schwer zu vermitteln (und die wundern sich dann häufig, wenn ihre Pferde auf der Koppel nicht kommen).

  3. Vielen Dank für die Nominierung, habe es heute erst bemerkt, da ich beruflich unterwegs war.
    Ich werde wahrscheinlich nächste Woche Donnerstag etwas dazu schreiben, dann kann ich mir erstmal Gedanken dazu machen 🙂

  4. Hallo Nadja, hier wie versprochen mein Post zum Thema:
    http://ropingmydream.blogspot.de/2015/06/freundschaft-schlieen-mit-dem-pferd.html

    Nominiert habe ich Wiola von aspireequestrian.wordpress.com 🙂

    LG Nina

  5. Du hast völlig Recht. Wie kann man nur so Pferdeuntreu sein…

  6. Wenn ich den Hof verlasse..
    Bis später!! Sagt unser Hofchef..weil er weiß, dass ich nochmal komme um meiner Stute „Gute Nacht“ zu sagen.
    Ich habe das unglaubliche Glück, dass mein Pferd im gleichen Dorf, 2 Häuser weiter wohnt.
    Ich verbringe unendlich viel Zeit bei ihr und ihrer Herde und ich liebe es bei ihnen zu sein, einfach dort auf der Weide zu sitzen, sie zu kraulen, sie zu begleiten, wenn sie nach neuen Futterstellen suchen… mit ihnen zu laufen, oft aber einfach nur zu dösen und die Augen zu schließen .

    • Geht mir ganz ähnlich – man muss sich nur die Zeit dafür nehmen. Wobei ich da manchmal auch ganz egoistisch bin und lieber „etwas Richtiges“ mit dem Pferd unternehme, statt einfach seine Gegenwart zu genießen. Danke für deinen Kommentar!

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