Von schlechten Lehrern und gescheiterten Versuchen (und wie man es besser macht)

Leslie Desmond, die ihr Handwerk direkt von Tom und Bill Dorrance gelernt hat, hat uns bei ihrer Clinic am Wochenende einige neue Sichtweisen eröffnet, die ich euch in den Folgeposts nach und nach darlegen will.
Eine wichtiger Hinweis war für mich, die Versuche des Pferdes richtig zu bewerten und zu würdigen. Auch Pat Parelli sagt „reward the slightest try“ – belohne den kleinsten Versuch.

Wenn ich meinem Pferd zum Beispiel Rückwärtsrichten am Seil beibringen will, und ich wedele so lange hin und her, bis ich den ersten Schritt bekomme, habe ich höchstwahrscheinlich einen Tennisarm, und das Pferd ist sauer und verwirrt, weil es mehrfach den Strick um die Nase bekommen hat, was einem Anschreien gleichkommt.
Es liegt also an mir zu erkennen, wann beim Pferd das Verständnis einsetzt, und dann sofort den Druck rauszunehmen und den Impuls am Seil zu beenden. Das kann eine Veränderung des Ausdrucks sein oder – offensichtlicher – die Verlagerung des Gewichts nach hinten oder das Anheben eines Beins. So arbeite ich mich dann in kleinen Schritten zum Rückwärtsrichten vor. Es ist wichtig, das Pferd für jeden Versuch zu belohnen (Druck raus und Pause), um ihm zu bestätigen, dass es auf dem richtigen Weg ist und um seine Motivation zu erhalten. Denn wenn es versucht, uns zu gehorchen, aber noch nicht hundertprozentig am Ziel ist, und wir unsere Hilfe verstärken, verleiden wir ihm den Gehorsam. Es lernt, dass es schwierig ist, uns zufrieden zu stellen, und es wird seine Bemühungen reduzieren und Motivation verlieren.
Wir alle kennen das vermutlich aus der Schule oder aus dem Elternhaus: Für einen Lehrer, der unsere aufrichtiges Bemühen nicht anerkannt, ignoriert oder belächelt hat, strengt man sich nicht mehr an.

Ich glaube, dass wir viel häufiger als uns lieb ist, die Versuche unserer Pferde einfach nicht wahrnehmen oder übersehen und denken dann, uns durchsetzen oder klarer ausdrücken zu müssen. Stattdessen wäre es angebrachter, einfach mal zu warten und dem Pferd mehr Zeit zu geben.

Einen Post zum großen Ganzen, und der Wichtigkeit, es auch mal aufzuteilen, findet ihr hier.

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3 Kommentare

  1. Ich glaube, dass ein weiterer Grund, warum wir das so oft nicht erkennen ist, dass wir uns so wenig Zeit nehmen unser Pferd wirklich kennenzulernen. Wenn ich mich in den Reitställen so umsehe, dann kommen die meisten, satteln auf, reiten, satteln ab und sind wieder weg. Aber um die Reaktionen meines Pferdes wirklich deuten zu können und dann auch die richtigen Ansätze zu belohnen, müssen wir mehr beobachten und mal einfach nur so Zeit miteinander verbringen. Ein Profi kann vielleicht bei jedem Pferd die Ansätze sehen, aber die meisten unter uns müssen erstmal ihr Pferd wirklich kennenlernen. 🙂
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    //www.chevalie.de

  2. Danke für den Kommentar Sophie! Ich sehe das genauso. Und ich finde, dass sich die Kultur von "Es klappt was nicht – das Pferd ist schuld, also setz dich durch und zeig ihm mal, wer hier das Sagen hat!" zu "Es klappt was nicht – also schau mal, wie viel du selbst dazu beigetragen hast" wandeln muss. Und dass diese Form der Reflexion auch im Reitunterricht Einzug hält.

  3. Ja, da bin ich ganz Deiner Meinung. Ich glaube aber auch, dass es wirklich soweit ist, dass sich jetzt nach und nach etwas verändert. Sicherlich wird es noch lange dauern, bis sich das "neue" Wissen in allen Ställen und auf so manchem Turnier durchgesetzt hat… Aber ich habe das Gefühl auf immer mehr Gleichgesinnte zu treffen. Das finde ich sehr schön! 🙂

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