Rezension – Monty Roberts: "Die Sprache der Pferde"

Man erwähne den Namen Monty Roberts in den meisten Gesprächen in Pferdekreisen und stößt sofort auf erhobene Zeigefinger, „Aber-Einwände“ und Roundpen-Horrorgeschichten. Ich habe ihn vor ein paar Jahren mal interviewt und zwei seiner Shows besucht. Er hinterließ mich weder tief beeindruckt, noch tief schockiert. Ich bin weder Fan noch Gegner geworden. Vielleicht hat es deswegen so lange gedauert, bis ich tatsächlich mal ein Buch von ihm gelesen habe:  Die Sprache der Pferde: Die Monty-Roberts-Methode des JOIN-UP*.

Das hat meine Meinung allerdings etwas zum Schlechteren gedreht – leider. Leider deswegen, weil mir das allgemeine Monty-Bashing ziemlich auf die Nerven geht und ich lieber eine Pro-Monty-Position eingenommen hätte (hier ein Bericht zu einer Show Anfang des Jahres von Becky). Immerhin ist ihm zu verdanken, dass das Pferdeflüstern ins Bewusstsein vieler Pferdeleute gerückt ist – und damit die Option eines anderen Umgangs mit dem Tier. Auch dank ihm konnten andere Horsemanship Trainer, Pat Parelli etwa, außerhalb ihrer Kreise Fuß fassen und haben die Strömung nach Europa getragen.

 

Monty Roberts Pferde verstehen
Bekannt wurde Monty Roberts unter anderem,
weil es ihm gelang, einen Mustang in freier Wildbahn zu zähmen.
Foto: Image courtesy of Monty and Pat Roberts Inc.

 

Es ist ja auch nicht so, dass Monty Roberts für das gewaltsame Brechen und Unterwerfen von Pferden einsteht. Im Gegenteil. Er propagiert gewaltfreie Kommunikation. Mit seinem Fokus auf die Psyche des Pferdes schaut er schon in die richtige Richtung, und in den 350 Seiten Buch gibt er einige gute und unkonventionelle Ratschläge, darunter „lächeln und positiv denken“. Ich denke, man darf nicht außer Acht lassen, dass der Mann knapp 80 Jahre alt ist und einer Generation angehört, die ganz anders aufgewachsen ist als wir.

Was mir strukturell im Buch gefehlt hat, ist ein roter Faden. Man merkt, dass Monty Roberts versucht hat, all sein Wissen aus allen Bereichen in ein einziges Buch zu packen. Von daher deckt er nicht nur die Methode des Join-Up und damit seine Interpretation der Sprache der Pferde ab. Er wendet sich auch dem Imprinting von Fohlen zu oder beschreibt, wie man Pferde vor ihrer Angst kuriert, in eine Startbox zu gehen – alles Gebiete, die den „normalen“ Pferdebesitzer wahrscheinlich eher nicht tangieren. Dabei mischt er kurze Geschichten und Fallbeispiele aus seinem Leben darunter, erzählt sie aber nicht immer zu Ende. Als Leser weiß man dann nicht immer, worauf er jetzt genau hinaus wollte.


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Symptome und Ursachen

Die Umsetzung seiner Prinzipien im Training ist meiner Meinung nach nicht wirklich konsequent. Er arbeitet häufig an den Symptomen von Problemen, nicht an der Ursache. Das wird besonders deutlich, wenn Monty diverse Ausrüstungsgegenstände empfiehlt, um Pferden das Steigen, Buckeln oder Treten abzugewöhnen. Seine Lösungen gehen damit am Kern des Problems vorbei, und ab und an widerspricht er sich zusätzlich. Etwa, wenn er schreibt, dass man dem Pferd beim Reiten keinerlei Druck machen solle, etwas später aber aufführt, härtere Arbeit als ein Art Strafe für das Pferd zu nutzen.

Generell bleiben seine Problemlösungsstrategien häufig im Unkonkreten und in solchen Formulierungen stecken: „Nutzen Sie das Dually-Halfter, und wenn Sie der Anleitung Wort für Wort folgen, dann sollte es klappen.“ 

Was mich inhaltlich viel mehr stört als das Join-Up, was das Pferd angeblich psychisch schädigen soll (dann müssten da draußen hunderttausende, vom normalen Longieren traumatisierte Pferde herumlaufen – denn Longieren ist noch deutlich tumber und kommunikationsfreier als das Join-Up), was mich also noch mehr stört als das Join-Up, sind diese beiden Empfehlungen: Das junge Pferd mit Elastikseilen auszubinden und die Ablenkbarkeit des Pferdes zu nutzen, um etwas zu erreichen. Ich halte überhaupt nichts von Ausbindern, weil sie kein Gefühl vermitteln und das Pferd nur in einer Position fixieren, die für es keinerlei Bedeutung hat und die es nicht verstehen, nur erdulden kann. Das Pferd abzulenken, um dann etwas durchzusetzen, entspricht einem Überraschungsangriff, ist link und eines guten Horseman unwürdig.

Monty Roberts Pferde verstehen
Die englische Originalversion des Buches. Rezensiert habe
ich die deutsche Fassung.
Foto: Image courtesy of Monty and Pat Roberts Inc.

Insgesamt muss man Monty aber zu Gute halten, dass er einen sehr breiten Ansatz verfolgt und das Pferd und sein Training durchaus ganzheitlich wahrnimmt. So weist er immer wieder darauf hin, körperliche Ursachen für ein Fehlverhalten auszuschließen, geht teilweise auf die Anatomie und die Sinne des Pferdes ein und beschäftigt sich sogar mit dem idealen Bodenbelag für den Reitplatz.

 

Was mir sehr gut an dem Buch gefallen hat, ist seine Aufmachung und seine Optik. Die Illustrationen sind zahlreich und hochwertig, die Fotostrecken einleuchtend. Ein Infokasten fasst nach jedem Kapitel die Kernaussagen noch mal zusammen, was das Ganze sehr übersichtlich macht. Es steht nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig auf einer Seite, die Schriftgröße und das Layout sind optimal. Text, Zeichnungen und Fotos wechseln sich ab, was das Buch sehr gut lesbar macht.
Am Ende gibt es zusätzlich ein Lexikon, erneut mit guten Illustrationen.

Alles in allem ist die Lektüre empfehlenswert, auch wenn man kein Monty-Roberts-Anhänger ist. Das Buch hilft, den Menschen dahinter und seine Denkweise zu verstehen, und man kann schon einige Tipps für den eigenen Umgang mit den Pferd daraus ziehen.

Monty Roberts
Natural Horsemanship: Aus Fairness zum Pferd*
Hier kannst du mehr von mir lesen.

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9 Kommentare

  1. Hallo, deinen Artikel finde ich sehr gut geschrieben, er bringt gut zum Ausdruck, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt… Ich hatte das Vergnügen, einmal einen Tag mit Monty Roberts verbringen zu dürfen (übrigens habe ich darüber auch einen Artikel auf meinem Blog geschrieben), mich hat seine sehr ruhige und einfühlsame Art absolut fasziniert. Ich denke auch, dass man von ihm viel lernen kann, aber seine Geschichte und seine Zeit und Herkunft natürlich mit einbeziehen muß. Er kommt aus einer Zeit und Umgebung, in der Pferde (und Menschen) recht brutal behandelt wurden.Er hat eine Lanze für einen liebevollen Umgang miteinander gebrochen und Wege aufgezeigt, das zu realisieren. Ich habe die Lektüre seiner Bücher sehr genossen und viel mitnehmen können. Viele "pferdische" Grüße, Nessy von den happinessygirls.com

    • Hi Nessy, danke für deinen Kommentar! Ich fand ihn persönlich auch sehr patent und aufgeschlossen. Natürlich ist er auch ein Showman, aber das darf er ja auch.

  2. Hey Nadja,
    du sprichst mir mal wieder aus der Seele. Ich hatte vorgestern eine Unterhaltung zum Thema Monty Roberts und hab tatsächlich wie du es beschrieben hast den Zeigefinger gehobenen "aber…" das hat mich eben zum Schmunzeln gebracht.
    Ich glaube auch, dass sein Alter da viel mit spielt. Wenn man mal überlegt was seine Generation eigentlich gelernt hat damals. Es ist nur schwierig, dass so viele Leien da draußen zu ihm aufschauen und nicht differenzieren können was gut und weniger gut ist.
    Über das Dually Halfter und Imprinting hab ich mich auch mal in einem Blog Post ausgelassen.

    • Stimmt schon, Monty ist durchaus kontrovers. Und im Buch steht nicht nur Gutes, sehr viel mit Ausrüstungsgegenständen, die er erfunden hat und verkaufen will. Die Probleme mit dem Dually Halfter und dem Imprinting habe ich auch. Wobei Parelli glaube ich auch imprinted….

  3. Ja ich glaube auch, das Parelli das macht. Kein Trainer ist 100 % gut oder schlecht. Ich mag die Arbeitsweise von Parelli, trotzdem gibt es da auch einiges was ich nicht so gut finde. Hier ist der Blog Post zu dem Thema: //ropingmydream.blogspot.de/2014/11/trainer-gurus-methoden-warum-man-alles.html
    Den habe ich mal geschrieben weil ich ständig bei Unterhaltungen auf das Thema komme. Ich treffe so viele Leute, die sich auf eine Methode/einen Trainer einschwören und dann ist alles was er sagt und macht gut und alles andere schlecht.

  4. Ich sehe gerade, du hast den Link schon gefunden 😀

  5. Monty roberts…. Bester mann

  6. Pingback:Bodenarbeit und Führtraining – Rezension | Pferde verstehen

  7. Pingback:Rezension: " Pferde verstehen " aus dem FN-Verlag | Pferde verstehen

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