
Was meinst du? Ist es überhaupt noch sinnvoll im Jahr 2026 einen Pferdeblog zu betreiben?
Ich merke, dass ich wenig bis kaum poste. Dass ich 20 unveröffentlichte Beitrage im Backend sitzen habe, aber mir die Motivation fehlt, sie zu finalisieren und sie online zu stellen. Dass ich mich immer öfter frage: Wozu eigentlich noch?
Denn die Zeit der (Pferde)Blogs ist vorbei. Das Online-Pferdebusiness und damit Sichtbarkeit findet jetzt anderswo statt. Die großen Reichweiten liegen auf Youtube, Tiktok und Instaaa. Aber ich bin sowenig Instaaa wie mein Hyundai eine Elektro-Schleuder. Zu alt, zu unflexibel, zu wenig videoaffin. Ich will nicht so viel teilen, ich will auch nicht ständig das Handy mit dabei haben und filmen. Das Medium ist mir zu schnell, zu oberflächlich und ehrlich gesagt finde ich es inhaltlich und communityseitig nur schwer zu ertragen.
Die Mit(st)reiter gehen – einer nach dem anderen
Dann verabschieden sich meine ehemaligen Mit(st)reiter einer nach dem anderen: Der Shop der Pferdeflüsterei ist seit April zu, Royalhorsemen – der Blogbeitrag dazu erschien im Februar – hat ebenfalls vor wenigen Wochen dicht gemacht. Und mein „ungültige Links“-Plugin wirft mir jede Woche fünf bis zehn veraltete Links an den Kopf, von Texten, die ich verlinkt habe, weil sie gut zu einem meiner Beiträge gepasst haben, und die jetzt langsam, Schritt für Schritt, alle offline gehen.
Hinzu kommt: Seit Corona ist das Affiliate-Business tot. Die paar hundert Euro im Jahr haben den Bock zwar nicht wirklich fett gemacht, aber zumindest die laufenden Kosten von Hosting, Plugins und Newsletter gedeckt. Die steigen weiter sukzessive: Durch DSGVO und Cookie-Spaß kamen und kommen immer neue Regelungen hinzu, die ich nur mit kostenpflichtigen Tools abdecken kann. Das läppert sich für ein reines Freizeit-Projekt.

Pferdetraining: Ist nicht eigentlich alles schon gesagt?
Dann: Es ist alles gesagt. Nicht unbedingt von mir, aber von irgendwem auf jeden Fall. Ich hab diesen Blog immer als „Mitte“ zwischen Extremen positionieren wollen, weil ich der Meinung bin, dass Extremismus, egal in welcher Ausprägung, auch am Pferd nicht förderlich ist. Das bedeutet aber auch, dass ich keinem Lager angehöre und keinen Guru habe – für die Horsemanshipler bin ich zu soft, für die „Gemeinsam-Atmen“-Front zu hart. So oft lese ich einen Instaaa-Post, mir schwillt der Kamm und ich fühle das Bedürfnis, zu reagieren, meinen Senf dazuzugeben. Und dann denke ich mir – ich kann doch nicht ständig gegen Dinge anschreiben. Vielleicht sollte ich, wenn denn überhaupt, besser für etwas schreiben.
Und dann: Ich muss niemanden mehr bekehren, niemanden mehr überzeugen. Ich hab mit der PN ein Pferd (ausgebildet), das für mich nicht nur wahnsinnig gut funktioniert – im Frühjahr habe ich angefangen einhändig auf dem Bosal zu reiten. War das ein Ziel? Nein. Aber geil ist es trotzdem. Seit Mai steht er wegen der Atmung auf der Sommerkoppel und gefühlt habe ich nicht nur ein Pferd, sondern einen Freund mit Fell und vier Beinen. Jemand, der gern mit mir Zeit verbringt (und ich mit ihm), der auf Zuruf die Koppel hoch- und wieder runterkraxelt, der im fremden Gelände immer händelbar war und den ich wie im Stall auf dem Weg am Auto parke und sattele. Damit bin ich ziemlich immun gegen Leute, die versuchen ihren Trainingsweg als den einzig wahren zu verkaufen. Weil irgendwie hat unserer verdammt gut funktioniert. Auch ohne Clicker, Mobility-Bridle oder Neuroregulation. Oder was auch immer gerade durchs Dorf getrieben wird.
Wie soll’s hier weitergehen?
Also von daher: Was meinst du, wie soll es hier weitergehen? Soll ich mehr von der PN schreiben, was wir aktuell treiben, was dann weggeht vom Content, den es hier bisher gab – also weniger Information, sondern eher Privates. Soll ich es einfach sein und den Blog als Archiv stehen lassen?

Hallo Nadia, du klingst nach „müde“.
Wenn du mich fragst: Mir wird dein Blog fehlen. Denn ich bin in keinem social media kanal, und youtube nervt mich schnell, weil es unüberschaubar wie Mist gibt….ja, ich bin generell meistens offline, mein Handy immer auf lautlos – ich will nicht erreichbar sein, wenn ich unterwegs bin, wenn ich mit Pferd unterwegs bin, ist das unsere private Zweierzeit.
Deine Beiträge hab ich immer gerne gelesen, weil sie offen und kritisch waren, du nicht die Lösung versprochen hast, sondern Wissen, Erfahrungen, Ideen vermittelt hast, mich angeregt hast, MEINEN und Caly’s Weg zu finden, unsere gemeinsame Sprache.
Wie auch immer du dich entscheidest, mach DEIN Ding – radikal. Schiebe nix auf – das sage ich dir als alte, chronisch schwer kranke Frau, die letzten Winter fast gestorben ist.
Das Leben ist ein Geschenk und nur im Augenblick lebbar.
Mach’s gut. Marianna
Liebe Nadja, ich will dir nicht sagen, was du tun sollst. Das Leben ist bunt, aber am Ende immer ein bisschen zu kurz und wenn es etwas gibt, was man SOLL, dann gut darüber nachdenken, was man will und braucht für ein gutes Leben. Aber ich möchte dir danken, denn ich habe gerne von dir gelesen, ich finde deinen Blick „aus der Mitte“ gerade weil er nirgendwo so ganz hineinpasste, besonders und gut. Ich glaube, es ist wichtig, Vorbilder (oder heißt das heute RoleModels?) zu haben dafür, einen eigenen Weg zu finden zwischen all dem medialen Input und unzähligen Druiden. Denn das ist es doch am Ende, was uns selbst zur Zufriedenheit verhilft, der eigene Weg. Den wirklich zu finden, ist ein Prozess, ein ständiges Auseinandersetzen, abwägen, ausprobieren, Fehler machen, befürworten und verwerfen und irgendwann ankommen. Und dann kommt die nächste Frage…du hast dich vielen Fragen gestellt, die ich auch hatte und du hast gute Lösungen für dich gefunden und DAS – nicht immer DEINE Lösung – hat mich inspiriert. Was immer du also nun tust, ich wünsche dir alles Gute dabei und dafür. Und ich sage „Danke“ dafür, dass ich dir zusehen konnte. Es hat mich mit meinen eigenen Findungsschwierigkeiten versöhnt…;-)
Liebe Nadja,
danke für Deine Offenheit. All´ die von Dir aufgezählten Kanäle, die Dir auf die Nerven gehen, befinden sich bei mir nirgends. Auch ich bin am liebsten offline, weil mich die anderen Dinge nur nerven. Trotzdem schade, wenn dann jemand wie Du aufgibt, denn es gibt sie noch, die Interessenten wie mich. Wem Deine Posts nicht gefallen, der muss sie ja nicht lesen und kann bei den anderen schauen, ob er was besseres findet und – vor allem – ob er da unbeschadet wieder rauskommt.
Solltest Du weitermachen, bin ich dabei. Und von mir erscheint auch keine unangebrachte Kritik auf anderen Kanälen, da kannst Du Dir sicher sein. In vielen Bereichen denken wir sowieso gleich, z.B. dass es nicht DEN Weg gibt. Freut mich für Dich, dass Du und Dein Pferd, dass Ihr so gut zusammengefunden habt. Nur das zählt.
Alles Gute Dir und den Dingen, die Dir wichtig sind.
Liebe Nadja, hab deinen Blog gerne gelesen und würde es auch weiter tun. Was ich gerne noch gewusst hätte, was heißt die Abkürzung PN? Hab die Erklärung nicht mehr gefunden. Insta ist inzwischen zu einer Werbeplattform verkommen. Man ist wie gefangen, wird von einem zum anderen geleitet. Ist mir alles zu viel, zu schnell. Vllcht Ist so ein Blog gar nicht so out, wie du denkst. Würde mich freuen.
LG Andrea
Hi,
Wir haben zwar immer nur passiv mitgelesen, aber es war stets interessant und erfrischend ehrlich. Und 100 % pro Pferd. Ich war gerade heute wieder mit meinem Quarter unterwegs, gebisslos natürlich und mit Appaloosa als Handpferd im Gelände. So macht das Reiten Spass!, und die Pferde waren einfach toll! Selbst bei einem entgegen kommenden Motorrad gab es kein Problem. Die eine oder andre Idee haben wir auch Dir zu verdanken, deshalb von mir: Weiter so!
VG Joerg